Nach einem Hundebiss fragen sich viele Halter: Wie wird so etwas vor Gericht eigentlich entschieden? Hier finden Sie ausgewählte Entscheidungen von Amts-, Land- und Oberlandesgerichten sowie des Bundesgerichtshofs. Sie zeigen, welche Umstände Gerichte bei fahrlässiger Körperverletzung und bei der Verantwortung des Hundehalters berücksichtigen.

Wie Sie diese Urteile lesen sollten
- Jeder Fall liegt anders. Hund, Halter, Ort und Situation sind verschieden. Ein Urteil lässt sich nie eins zu eins auf einen anderen Fall übertragen.
- Es kommt auf die Pflichtverletzung an. Entscheidend ist meist, ob dem Halter eine konkrete, vorhersehbare und vermeidbare Sorgfaltspflichtverletzung nachgewiesen wurde. Die Grundlagen erkläre ich auf der Seite Rechtliche Grundlagen.
- Es gibt beides: Verurteilungen und Freisprüche. Auch Gerichte kommen nicht immer zu dem Ergebnis, das die Anzeige nahelegt.
Ausgewählte Entscheidungen
Freispruch
Hund beißt über den Zaun: Freispruch für den Halter Ein Passant wird über einen rund einen Meter hohen Zaun in den Oberarm gebissen. Das Gericht spricht den Halter frei.
Verurteilungen und bestätigte Verurteilungen
Unangeleinter Boxer: OLG Frankfurt bestätigt Verurteilung Das OLG Frankfurt verwirft die Revision einer Halterin und bestätigt die Entscheidungen von Amtsgericht und Landgericht Darmstadt. Thema ist die Sorgfaltspflicht an einer unübersichtlichen Ecke.
Unangeleinte Schäferhunde: LG Osnabrück bestätigt Verurteilung Ein Halter ist mit zwei nicht angeleinten Schäferhunden unterwegs, als einer der Hunde eine Frau attackiert. Das Landgericht bestätigt seine Verurteilung.
Weimaraner-Hündin beißt Joggerin: Urteil des LG Bonn Die Hündin war bereits zuvor aufgefallen und beißt eine Joggerin. Das Landgericht Bonn beurteilt die Verantwortung des Halters.
Zurückgelassener Staffordshire-Bullterrier: Strafbarkeit des Halters Wann haftet der Halter eines Listenhundes strafrechtlich? Der Fall zeigt die besonderen Pflichten bei sogenannten Listenhunden.
Verletzungen von Kindern
Staffordshire-Mischling beißt Kind und Vater: Urteil des LG Freiburg Das Landgericht Freiburg verurteilt den Halter eines American-Staffordshire-Terrier-Mischlings zu einer hohen Geldstrafe, nachdem der Hund ein Kind ins Gesicht und den Vater gebissen hat.
Staffordshire Terrier beißt Kind ins Gesicht: Vorstrafe für den Halter Im Juli 2020 wird in einer oberbayerischen Wohnanlage ein vierjähriger Junge im Innenhof von einem American Staffordshire Terrier gebissen. Der Halter erhält eine Vorstrafe.
Schwerste Folgen
Fahrlässige Tötung durch Bullterrier-Mischlinge: LG Hamburg und BGH Das Landgericht Hamburg verurteilt zwei Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung, nachdem ihre Hunde auf einem Schulhof ein sechsjähriges Kind tödlich verletzt haben. Der Bundesgerichtshof befasst sich mit den Revisionen.
Ermittlungsverfahren zwischen Hunden
Schäferhund und Goldendoodle geraten aneinander Nach einem Vorfall zwischen zwei Hunden ist die Strafanzeige schnell erstattet. Für den betroffenen Halter beginnt ein belastendes Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Betrifft Sie ein ähnlicher Fall?
Wenn gegen Sie wegen eines Hundebisses ermittelt wird, sprechen wir über Ihren konkreten Fall. Ich sage Ihnen ehrlich, wie Ihre Lage aussieht und was jetzt sinnvoll ist. Bis dahin gilt: Sagen Sie nichts zur Sache, bevor Sie mit mir gesprochen haben.
Rechtsanwalt Timo Scharrmann, Fachanwalt für Strafrecht und Verkehrsrecht, Alfredstraße 68-72, 45130 Essen
